Vrin, das Bauerndorf zuhinterst in der Val Lumnezia, wurde 1998 mit dem begehrten Wakker-Preis des Schweizer Heimatschutzes ausgezeichnet. Nicht etwa wegen der barocken Pfarrkirche mit ihrem unverkennbaren italienischen Baustil, dem getrennt von der Kirche gebauten Turm oder wegen des sonderbaren Beinhauses mit seinen echten Totenschädeln erhielt das schmucke und vitale Bergdorf diese hohe Auszeichnung zugesprochen. Ebenso sehenswürdig ist auch der altehrwürdige Dorfkern mit seinen dicht zusammengedrängten, bäuerischen Strickbauten. Wer Vrin im Hochsommer besucht, atmet Freude, findet Gefallen am Anblick der verwinkelten Gässchen und ländlichen Gärten. Zum Alltag des landwirtschaftlich geprägten Dorflebens gehört der Gebimmel von Kuh und Ziege, Hahnenschrei und das fidele Hühnergegacker. An heissen Sommertagen steigt gelegentlich auch der prägnante Duft von Mist und Jauche in die Nase. Eine ausgewogene Mischung aus Alt und Neu, Tradition und Fortschritt, sonnengebräunten Bauernhäusern und Stallscheunen, die mit viel Liebe zum Detail und handwerklichem Geschick im Laufe der Jahrhunderte gebaut wurden und das stetige Bemühen der Dorfbewohner um den Erhalt des Althergebrachten und Bewährten wären allein Grund genug für die Vergabe eines Heimatschutz-Preises gewesen.
Die Aufmerksamkeit des Schweizer Heimatschutzes zog jedoch eine andere, fest mit der Geschichte verwurzelten Entwicklung im urwüchsigen Bauerndorf Vrin auf sich: Die Gemeinde wurde für die sorgfältige Integration neuer landwirtschaftlicher Oekonomiegebäude ins Dorfbild preisgekrönt. Damit die Landwirtschaft, die Haupterwerbsquelle der Vriner, auch in Zukunft überlebensfähig bleibt, drängte sich der Bau neuer und die Erweiterung bestehender Landwirtschaftsgebäude auf. Unter der Federführung des einheimischen Architekten, Gion Antoni Caminada, wurde die landwirtschaftliche Infrastruktur im Dorf den neuen Bedürfnissen der heutigen Berglandwirtschaft angepasst, ohne dabei das traditionelle Dorfgefüge und das Landschaftsbild zu beeinträchtigen. Einerseits wurde die bestehende Bausubstanz erweitert, anderseits wurden neue Ställe am Dorfrand und in einer separat ausgeschiedenen Landwirtschaftszone gebaut. In Vrin sind die Dorfbewohner wohl ein bisschen freier im Entscheiden und Handeln, aber auch ein wenig isolierter als anderswo. Hier hat man sich wohl längst an eine Portion Freiheit gewöhnt, welche aber nur einen der begrenzten Vorteile des Lebens in einer Randregion darstellt.