
Klein anfangen müssen, ist das Los der Allermeisten, die durch eisernen Fleiss und eine glückliche Fügung gross werden. So erging es auch dem 'cava cristallas' Michael Flepp aus dem Lugnezer Dorf Cumbel. Nach jahrelanger, unermüdlicher Suche nach dem Fund seiner Träume war ihm die Glücksfee endlich hold. Am Péz Regina stiess er in einer 15 m tiefen Kluft auf zwei Quarzkristalle von ungeahnter Grösse, bezaubernder Formenvielfalt und unbeschreiblicher Faszination. Von symbolischem Wert ist nicht nur der bis anhin einmalige Fund im ganzen Alpenkamm, sondern auch der Berg selbst mit seiner einmaligen Lage und Form, die ihm den erhabenen Namen 'Piz der Königin' eingetragen hat. Dem Wanderer belohnt der zentral gelegene Péz Regina mit einer prächtigen Aussicht auf die ganze Val Lumnezia. Dem Strahler Michael hat er über Nacht zur meist gehandelten Person an der Mineralbörse verholfen. Für die Standortgemeinde Lumbrein ist der geheimnisvolle Berg seit eh und je Hausberg und Wahrzeichen in einem. Am Fusse des Péz Regina wurde in den 40-er Jahren eine der bedeutungsvollsten Bronzezeitsiedlungen des Schweizer Alpenraums freigelegt. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelte es sich um eine Menschengruppe aus dem Süden, die vor 4'000 Jahren über die landesweit bekannte Greina zum ersten Mal den Weg in die Val Lumnezia fanden und die 'Crestaulta', den hohen Hügel bei Surin dauerhaft besiedelte. Und nun dieser sensationelle Kristallfund, der dem majestätischen Berg selbst und der 'Biala Val Lumnezia' alle Ehre macht.
Dennoch, trotz der wohlgesinnten Königin Fortuna stellen sich Fragen und Probleme für ein Bergtal, das mit Bevölkerungsrückgang und Abwanderung kämpft und in welchem eine hoch entwickelte Wirtschaft kaum je einmal Einzug halten wird. Ein Spiegelbild dieser existentiellen Schwierigkeiten ist auch der Tourismus, der trotz der landschaftlichen Kostbarkeiten und der grossen Anstrengungen der letzten Jahrzehnte nur zögerlich Fuss fast. Noch ist das wertvolle Kristallgut in den Händen seiner Lugnezer Entdecker. Um zu verhindern, dass dieses geologische Erbe und diese touristische Attraktion dem Tal nicht für immer verloren geht, wären Interessenverbindungen, aber auch Finanzen und Infrastrukturen nötig, über die das Tal im Moment kaum verfügt.

Eine schier unglaubliche Geschichte nimmt ihren Anfang Aller Anfang ist schwer. Vom Tag eins nach der Entdeckung der Kluft bis zur Bergung der zwei Kristallkolosse vergehen drei spannungsgeladene, aber auch sehr anstrengende und beschwerliche Jahre. Nachdem der Hobbystrahler Michael Flepp fast einen ganzen Tag lang vergebens an den steil abfallenden Hängen des Péz Regina Ausschau nach einer neuen Kluft gehalten hatte und bereits mit den Gedanken spielte, nach Hause zu kehren, wird er auf einmal etwa 20 m unterhalb eines mächtigen Quarzbandes fündig. Zu seiner eigenen Verblüffung fällt ihm nach kurzem Abtragen von Grasschollen, Schutt und Erde ein 20 cm langer Kristallsplitter von beachtlicher Qualität in die Hände. Hoch erfreut über den glücksverheissenden Fund gräbt und wühlt er wie vom Fieber gepackt im losen Schuttmaterial und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Was dieser gewaltige Bergkegel so urplötzlich und freigebig hergibt, verschlägt selbst den erfahrenen Strahler Flepp die Sprache. Im Sommer 2000 steigt Michael mehr als 30 Mal den steilen Berg hoch und entlockt ihm mehrere Tonnen kristallines Steingut: Farblich sehr spezielle Kristallgruppen und Einzelstücke alpinen und Tessiner Habitus mit zum Teil wilden Verwachsungen, die im festen Kluftschutt ineinander verzahnt sind. Allesamt Quarzkristalle, die sich nach der Bildung von der Kluftwand im Verlaufe der Jahrtausende gelöst hatten und in Schutt und Erde eingelagert wurden.
Der grosse Durchbruch Mit dem ersten Schnee ist vorerst Torschluss in der felsigen Schatzspalte. Die Ausbeute ist so ergiebig und die Aussicht auf weitere kostbare Schätze so offensichtlich, dass Michael Flepp den erfahrenen Lugnezer Strahler Alfons Derungs aus Uors in sein Geheimnis einweiht. Die Partnerschaft ist schnell besiegelt und ab Frühjahr 2001 werden unter grosser, körperlicher Anstrengung schwere Holzbalken den Berg hinauf- und wertvolle Kristallpracht im Duett den Berg hinuntergeschleppt. Die Ausbeute der schier unversiegbaren Hauptkluft und deren Kluftverzweigungen übertreffen alle Erwartungen. Rundum auskristallisierte Igel, ein Doppelender von 82 cm Länge, unzählige Kristallgruppen und Einzelstücke von bis zu 130 kg Masse und von hohem Glanz bringen die beiden Lugnezer Strahler nach und nach ans Tageslicht. Vor Saisonschluss macht das Strahlerduo eine weitere, verheissungsvolle Entdeckung im hinteren Teil der Kluft. Doch höhere Wettergewalt setzt dem Kristallabenteuer ein jähes Ende und die über 1'500 m hohe, kegelförmige Erhebung gegenüber der Gemeinde Lumbrein hält ihr wohl grösstes Geheimnis einen weiteren Winter lang in ihrem aufgerissenen Schlund versteckt. Ein Spiel des Zufalls oder ein Geduldsspiel der Natur? Sollte dabei die Ausdauer und Hartnäckigkeit der beiden 'cava cristallas' ein letztes Mal ernsthaft geprüft werden? Wir wissen es nicht. Licht im Dunkeln bringt der Sommer 2002.

Die Geburtsstunde zweier Kristallriesen Eine erste Besichtigung der Kluft im Mai 2002 bringt nichts Gutes an den Tag. Der Klufteingang ist wie ein Kartenhaus in sich zusammengestürzt. In mehrwöchiger Arbeit muss der angesammelte Schutt entfernt und die geknickten Verstrebungen durch neue ersetzt werden, dies notabene auf über 2'400 m über dem Meer und ohne jegliches Transportmittel. Doch, es ist keine verlorene Mühe. In beständiger Regelmässigkeit werden dunkelgraue Stufen und Phantome aus einer weiteren Seitenkluft geborgen. Endlich ist die Zeit reif für eine genauere Begutachtung des hinteren Teils der Hauptkluft. Wie vom Kristallrausch gepackt bahnen sich die fleissigen Hände den Weg durch Schutt und wertloses Gestein zum Jahrhundertfund. Wie eine sinnestäuschende Fata Morgana strahlen immer mehr Kristallspitzen und bis zu 60 cm lange Phantomquarze den verdutzten Glückspilzen entgegen. Nicht als bewundernswerte Einzelstücke oder als verzweigte, verkrauste und zerzauste Gruppen, sondern als zwei kolossale, überdimensionale Quarzgebilde wie sie selbst die Natur mit ihrer unbändigen Schöpfungskraft bis anhin nur selten hervorgebracht hat. Noch bevor die beiden einzigartigen Naturphänomene aus der Kluft herausgelöst sind, machen diese bereits die Runde durch die inländische und ausländische Presse. Verschiedene Fernsehanstalten bekunden ihr Interesse für die Verfilmung der aufwändigen Bergung solch bis anhin nie gesehenen Kristallstufen. Am 2. Oktober 2002 berichtet das Schweizer Fernsehen über die sensationelle Entdeckung. Damit war der Durchbruch zu den internationalen Mineralienbörsen geschafft. Aber die beiden Titanen des kristallinen Zaubers stecken immer noch tief im Berginnern.
Im Verlaufe des Winters werden Pläne geschmiedet, unzählige Bergungsvarianten theoretisch durchgespielt und die Flugbewilligung bei den örtlichen Behörden eingeholt. Nach unzähligen Arbeitsstunden unter äusserst schwierigen Bedingungen erfolgt dann im Sommer 2003 der seit mehr als einem Jahr herbeigesehnte, triumphale Jungfernflug ins Tal.

Ende gut, alles gut ...? Könnte man meinen. Nicht aber, wenn man die Sache zu Ende denkt. Von der Entdeckung der Kluft bis zum erlösenden Transportflug sind drei Jahre beschwerlicher Schwerstarbeit, grosser Aufopferung und finanzieller Umtriebe vergangen. Irgendwann wird die Lugnezer Kristallpracht ihre Besitzer wechseln und dem Tal für immer den Rücken kehren. Genau in diesem Punkt scheiden sich die Geister. Nicht so schlimm finden es die einen, nicht zu verantworten die anderen. An Vorschlägen, was zu tun wäre, fehlt es ganz und gar nicht. Ob aus einem kulturellen Gewissen heraus oder aus purer touristischer Notwendigkeit, die Val Lumnezia wirbt seit ihren touristischen Anfängen in den frühen 60-er Jahren für einen sanften, natur- und kulturverbundenen Tourismus. Die eigenen Ressourcen nutzen und die Finger von riskanten Ferien- und Freizeitabenteuern lassen, lautet die Devise. Und jetzt diese kristallene Bescherung, die wie aus einem Guss zu den Lugnezer Eigenheiten passt. Die Rede ist von der romanischen Sprache, der Sakrallandschaft Val Lumnezia, dem Tal des Passionsspiels, dem Wakkerpreis-Dorf Vrin, der Greina, der bedeutungsvollsten inneralpinen Bronzezeitsiedlung Crestaulta, der grössten Population der Kleinen Hufeisennase in der Schweiz, den vom Aussterben bedrohten Paradieslilien, Frauenschuhen, Bergdrachenköpfen und von der angeblich europaweit grössten Schmetterlings- und Beizendichte. Die Val Lumnezia ist wirklich eines der wenigen noch verzauberten Täler Graubündens mit einem von Menschenhand geschaffenen Wehrturm mit grossem, symbolischem Wert am sperrigen Taleingang.
Kluger Rat ist teuer Und trotzdem sind in den leidenschaftlich geführten Diskussionen Ansätze zu erkennen, die Anlass zur Hoffnung geben. Von der Eröffnung eines Museums und Kulturhauses ist hin und wieder die Rede. Gelegentlich wird auch mit dem Gedanken gespielt, einen Laden für kulinarische Spezialitäten, Kunsthandwerk, Textilarbeiten, Schnitzereien, handgefertigte Mobilien, Souvenirs und Kristalle aufzumachen. In Anbetracht der sich zusehends leerenden Dorfschulen wäre die Verbindung der beiden Ideen gar nicht so abwegig. Mit der Schaffung eines klar strukturierten Lugnezer 'Gemischtwarenladens' für Kultur, Kunsthandwerk und den Verkauf von einheimischen Erzeugnissen und Lebensmitteln könnte man die Interessen und Bedürfnisse weiter Kreise unter einen Hut bringen. Als Hauptattraktion und Zugstücke die beiden grössten, je gefundenen Kristallgruppen des Alpenbogens von Nizza bis Wien. Gefragt sind politische Behörden, Handel, Gewerbe, Dienstleistung und kulturelle Vereine und Institutionen. Gelingen wird ein solch kühnes Unterfangen nur unter der Bedingung, dass man sich findet und mit vereinten Kräften ans Werk geht.
Zur Erinnerung: Ganze drei Jahre hat die Bergung der Lugnezer Kristallgruppen gekostet und dieser Meisterstreich ist das Ergebnis harter Arbeit eines entschlossenen und bestens eingespielten Teams. Wenn klare Vorstellungen vom Erwerb der Kristallgruppen und einem geeigneten Ausstellungs- und Vermarktungsort vorliegen, wird das in vieler Hinsicht offene Bergtal im Herzen der Alpen ganz bestimmt und wie schon oft auf auswärtige Unterstützung zählen können.
Besuch der privaten Kristallsammlungen und Verkauf Die beiden Strahler Michael Flepp und Alfons Derungs verfügen über eine reiche Sammlung kostbarer Kristalle, Mineralien und Gravuren, die bestaunt, aber auch gekauft werden können. Mit dem Jahrhundertfund am Péz Regina wurde die Sammlung durch sehr spezielle, fein auskristallisierte und überdurchschnittlich grosse Kristallgruppen mit hohem Glanz erweitert. Besuche sind jedoch nur nach Voranmeldung möglich.
Michael Flepp Lischeinas 7142 Cumbel
| Alfons Derungs Casa da scola 7114 Uors
| Tel 081 931 32 63 Mobile 079 685 69 53 eMail: michael.flepp@bluewin.ch | Tel 081 931 36 17 Mobile 079 642 56 36 eMail: alfons_derungs@bluewin.ch |
Informationen über das Strahlen und ene detaillierte Beschreibung der Bergung | >>>click |
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