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Val Lumnezia

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Geschichtlicher Überblick

Im frühen Mittelalter wurde die Val Lumnezia wegen seines milden Klimas und des fruchtbaren Bodens erwähnt. An mehreren windgeschützten und nach Süden ausgerichteten Orten wuchs damals sogar die Weinrebe. Im Weiler Peiden, auch die Toscana des Val Lumnezia genannt, reifen süsse und wohlschmeckende Pfirsiche heran. Bereits im 6. Jahrhundert entstand unterhalb Vella die erste Talkirche zu Pleif. Mit der Beschliessung des Grauen Bundes Ende des 14. Jahrhunderts begann für die Talbevölkerung eine Zeit der zunehmenden Emanzipation. Im Jahre 1538 kauften sich die Lugnezer von den Hoheitsrechten der Feudalherrschaft aus. Die Gemeinden wurden selbständige politische und wirtschaftliche Gebilde. Grund und Boden gingen teilweise in Privatbesitz über. Innerhalb des Oberen Bundes (Ligia Grischa) bildeten die beiden Gerichtsgemeinden Lumnezia und Valsertal ein Hochgericht. Daraus entstand 1854 der heutige Kreis Val Lumnezia. Der früheren Gerichtsgemeinde waren in erster Linie die Trägerinnen der politischen Organisation. Dagegen schlossen sich verschiedene Dörfer zu Nachbarschaften zusammen. Diesen oblagen von der Natur her gebundene Aufgaben wirtschaftlicher Art wie Nutzung der Wälder, Weiden und Alpen.

 

In der Val Lumnezia wurde früher die sogenannte inneralpine Autarkiewirtschaft betrieben. Das Tal versorgte sich mit Fleisch, Molken, Textilfasern und Brotgetreide weitgehend selbst. Das Rückgrat der Landwirtschaft bildete die Alpwirtschaft. Durch den Viehhandel über der Greina bestand eine enge Beziehung in den Süden bis nach Mailand. Dies änderte sich mit dem Bau der Strasse nach Ilanz um 1890, die das Tal mit dem Vorderrheintal verband und schnell zur Lebensader der Talschaft wurde.

Nicht weniger als 32 wertvolle Kirchen und Kapellen bilden den architektonischen Blickfang der Lugnezer Dörfer und setzen unverkennbare Akzente in der Landschaft. In den meisten Bauwerken entfaltet sich dem Besucher eine ungeahnte Pracht sakraler Kunst, die unter grosser Aufopferung von zutiefst gläubigen Generationen erschaffen wurde. Als Grenzgebiet zu den vorwiegend protestantischen Talschaften im Osten und Norden wurde von Rom aus die Rätische Kapuzinermission der Kongregation im Jahre 1621 mit dem Ziele gegründet, der Ausdehnung der Reformation in Graubünden einen Riegel zu schieben. Der Glaubenskampf der Gegenreformation hat das Val Lumnezia gerade darum durch einen stark barock ausgerichteten Katholizismus nachhaltig geprägt. Neben dem Barock hat auch die Spätgotik das innere und äussere Erscheinungsbild der Kirchen und Kapellen weitgehend bestimmt. Der Volkskundler Richard Weiss hat für Gebiete mit derart religiöser Prägung das Wort "Sakrallandschaft" abgeleitet.

 



Wetter - Vella, 05.02.2012
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