In der Val Lumnezia wurde früher die sogenannte inneralpine Autarkiewirtschaft betrieben. Das Tal versorgte sich mit Fleisch, Molken, Textilfasern und Brotgetreide weitgehend selbst. Das Rückgrat der Landwirtschaft bildete die Alpwirtschaft. Durch den Viehhandel über der Greina bestand eine enge Beziehung in den Süden bis nach Mailand. Dies änderte sich mit dem Bau der Strasse nach Ilanz um 1890, die das Tal mit dem Vorderrheintal verband und schnell zur Lebensader der Talschaft wurde.
Nicht weniger als 32 wertvolle Kirchen und Kapellen bilden den architektonischen Blickfang der Lugnezer Dörfer und setzen unverkennbare Akzente in der Landschaft. In den meisten Bauwerken entfaltet sich dem Besucher eine ungeahnte Pracht sakraler Kunst, die unter grosser Aufopferung von zutiefst gläubigen Generationen erschaffen wurde. Als Grenzgebiet zu den vorwiegend protestantischen Talschaften im Osten und Norden wurde von Rom aus die Rätische Kapuzinermission der Kongregation im Jahre 1621 mit dem Ziele gegründet, der Ausdehnung der Reformation in Graubünden einen Riegel zu schieben. Der Glaubenskampf der Gegenreformation hat das Val Lumnezia gerade darum durch einen stark barock ausgerichteten Katholizismus nachhaltig geprägt. Neben dem Barock hat auch die Spätgotik das innere und äussere Erscheinungsbild der Kirchen und Kapellen weitgehend bestimmt. Der Volkskundler Richard Weiss hat für Gebiete mit derart religiöser Prägung das Wort "Sakrallandschaft" abgeleitet.